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Der Ort des Menschen in der disjunktiven Struktur Friedrich Kümmel

Der Ort des Menschen in der disjunktiven Struktur
Studien zur Logik der Disjunktion

Vardan Verlag Hechingen 2017, 425 Seiten, Format B5, kart.,29,80 Euro
ISBN-13: 978-3-941060-14-2

Ausgangspunkt dieser systematischen philosophischen Untersuchung Friedrich Kümmels ist die Beobachtung, daß Gegensatzstrukturen die Denk- und Wahrnehmungsweise des Menschen und die dadurch bedingte Dichotomisierung seiner Welt in Subjekt und Objekt immer schon bestimmen. Ihnen liegt eine biologische Matrix zugrunde, die auch noch im Körperschema und in den sprachlichen Oppositionen ihren Niederschlag gefunden hat. Die Untersuchung nimmt jedoch vor allem die später im Namen der Philosophie und der Logik erfolgten Überformungen dieser Gegensatzstrukturen kritisch in den Blick: das Widersprüche ausschließende Verfahren der klassischen aristotelischen Logik, das im westlichen Denken tief verwurzelte Räsonieren in einander ausschließenden Alternativen, das in unauflösliche Dilemmata führt, sowie den dialektischen Umgang mit Gegensätzen in der westlichen Moderne. Um diesen Fehlorientierungen entgegenzuwirken, greift die Studie Ansätze paradoxlogischen Denkens auf, wie sie sich z.B. bei Parmenides, bei Nietzsche und im fernöstlichen Denken finden, und systematisiert sie zu einer Logik der Disjunktion bzw. zu einer disjunktiven Logik. Was aber heißt hier ‚Disjunktion’ bzw. ‚disjunktiv’? In der herkömmlichen Logik bezeichnet der Ausdruck sowohl das ausschließende Oder (entweder – oder) als auch das nicht-ausschließende Oder (und/oder). Friedrich Kümmel nimmt dieses Verständnis auf, aber modifiziert es, und zwar in zwei Richtungen: Zum einen füllt er die im traditionellen Verständnis rein formale Kategorie mit anthropologischem Gehalt und zeigt so ihre Gesättigtheit mit menschlicher Wirklichkeit; zum anderen läßt er das nicht-ausschließende Oder an die Stelle des ausschließenden Oder treten, sodaß es auch noch Widersprüche integrieren kann. In dieser Perspektive auf die conditio humana erscheint das Fremde, das Abweichende, das dem Selbstverständnis zunächst Widersprechende als die Kehrseite desselben (vgl. z.B. Luthers Erkenntnis, der Mensch sei simul iustus et peccator). So gewinnt der Mensch in Friedrich Kümmels Philosophie seinen „Ort in der disjunktiven Struktur“.
Hermeneutik als Methode Friedrich Kümmel

Hermeneutik als Methode
Möglichkeiten und Grenzen

Vardan Verlag Hechingen 2017, 384 Seiten, Format A5, kart., € 19,90
ISBN-13: 978-3-941060-10-4

Methode (μέθοδος) heißt ursprünglich: „einem Weg (odos) folgen“. Die Offenheit und Komplexität des Bedeutungsspektrums von „Weg“ wird in der „Methode“ allerdings allmählich zur Engführung gebracht, im Sinne eines überschaubaren Verfahrens „methodisiert“. Das gilt sowohl für das Verstehen von Texten als auch für das experimentelle Vorgehen in den Naturwissenschaften. Das wissenschaftliche Denken der Neuzeit macht in diesem Sinne aus dem Weg ein streng geregeltes Verfahren, das der Gesinnung, Begründung und Sicherung eines allgemeinen, jedermann zugänglichen Wissens dient. Doch die Hermeneutik als Methodenlehre des Verstehens weist diese Engführung ab, ohne aber die Wegemetapher gänzlich zu verwerfen: Sie erläutert, welche Art der inneren Offenheit und Bereitschaft erforderlich ist, um die nicht im vorhinein, sondern nur in der Begegnung selbst sich darbietenden Schritte zum Verständnis eines Menschen oder des überlieferten dichterischen Worts zu tun. Es gibt also auch hier zu bahnende Wege des Verstehens, aber sie sind nicht absehbar und deshalb auch nicht planbar. Demgegenüber folgen die Methoden der so genannten „exakten“ Wissenschaften der absehbaren, seit Aristoteles etablierten axiomatisch-deduktiven Logik, die sowohl den Weg als auch jede Schrittfolge auf ihm nach vorab bestimmten Regeln vorschreibt und steuert. Aber selbst hier geht aller Sicherheit die Ungewißheit erster tastender Schritte voraus: Auch der Naturwissenschaftler macht seine Versuche zunächst noch in unbegangenem Gelände, muß sich erst noch einen Weg bahnen und festen Grund unter die Füße bekommen, bevor er weiter gehen kann. Ein genauer Blick zeigt darüber hinaus, daß nicht nur die ersten Anfänge und Gründe einer Wissenschaft Verstehensleistungen erfordern, die durch die etablierten Logiken nicht einzuholen sind; denn das Erfordernis des Begreifens ist durch methodisches Vorgehen allein noch nicht gesichert: Sowohl die Grundbegriffe als auch die Forschungsergebnisse sind zu deuten und vor Un- und Mißverständnissen zu bewahren. Auch hier stellt sich das Problem des „hermeneuein“, nämlich einen Gang zu gehen, wo es noch keine eindeutigen Wege und die Möglichkeit hundertfacher Täuschung gibt. Die vorgelegten Untersuchungen weisen einer solchen zweiseitig orientierten Theorie des Verstehens das Wort. Sie knüpft an ältere Wissenstraditionen an, die einen unteren und einen oberen Pol des Wissens unterscheiden und ein „höheres“ Moment der Offenbarung bzw. Divination mit einem in Zeit und Raum zu verortenden, „niederen“ Wissen der Erfahrung in ein Verhältnis zu bringen nötigen. Entsprechend den zwei unterschiedlichen, jedoch disjunktiv verbundenen Wissensformen handelt es sich um zwei grundverschiedene Begriffe von Verstehen: gewöhnliches und tieferes Verstehen, die sich in ihrer Reinform geradezu ausschließen und doch in ein Verhältnis zueinander gebracht werden müssen, weil Verstehen überhaupt nur zustande kommen kann, indem unsichtbare Fäden das Heterogene verbinden.

Güte Lieselotte Heller

Güte

Fragmente einer Philosophie der Eigentönigkeit
Band 2

Vardan Verlag Hechingen 2013, Format DIN A5, 356 Seiten, kart., € 19.90
ISBN-13: 978-3-941060-12-8

Der hier vorgelegte Band II erforscht die Eigentönigkeit vor allem im Blick auf den innermusikalisch (tonotop) vernetzten nervösen Organismus des Ohrs wie auch auf die spezifische Sensorik des Inneren Gehörs, mit welchem wir Menschen die Wahrhaftigkeit der Schönheit, Klarheit und Reinheit des Denkens und Sagens zu erkennen und zu verstehen vermögen. Dieses existentielle, schöpferische Vermögen der uns immer schon zur Disposition stehenden Sinneskräfte, stellt uns vor die universelle Aufgabe, außer uns und willentlich die nötigen Lebens-Räume zu bereiten, damit ‚bewohnbare‘ Lebenswelten sich immer wieder von neuem auftun können. Es sind im Grunde die Kräfte der menschlichen Sprachwelt, die ins Bewusstsein gehoben werden. Der betont kommerziellen Alltagswelt stellt die Autorin das dialogisch begründete, eigentönige Sprachvermögen des Menschen als Potential der Veränderung und Erneuerung eigener wie kollektiver Lebensformen an die Seite.

Spricht die Natur? Friedrich Kümmel

Spricht die Natur?

Zum Verhältnis von Mensch und Natur im Spätwerk von Otto Friedrich Bollnow

Vardan Verlag Hechingen 2014, 229 Seiten, Format A5, kart., € 19,90
ISBN-13: 978-3-941060-11-1

Jeder Mensch spricht sich selber. Aber auf jeder Ebene hat er Mitsprecher und riskiert sich selbst durch die Art und Weise, wie er dieses gemeinsame Leben spielt. Es ist ihm möglich, Leib und Leben zu verspielen oder sorgsam damit umzugehen. Von der Art, wie er mit sich und anderen spielt, hängt es ab, was aus ihm und anderen in diesem Spiel wird. Die provozierende Frage: „Spricht die Natur?“ weist hin auf einen Mitspieler, der kein bloßer Mitlauter ist. Sie wird zugespitzt in einem zenbuddhistischen Koan: „Die Natur spricht, aber nur wenn wir lernen, sie mit den Augen zu hören“. Das erscheint paradox. Und doch ist Sprache und Stimme auf jeder Ebene untrennbar miteinander verbunden. Nur eine interdisziplinäre Forschung und darauf bezogene Handlungsweise kann dem gerecht werden. Wie immer der Mensch sein Leben führt und sich verstehen will: Er lebt in der Natur, die auszubeuten und zu verwüsten ihm nicht ratsam ist. Die beiden Kronzeugen Otto Friedrich Bollnow (1903-1991) als Hermeneutiker und Josef König (1893-1974) als Logiker beziehen sich aufeinander, und dem Verfasser selbst liegt daran, Logik und Hermeneutik enger miteinander zu verbinden.

Die Zwiespalte des Denkens Lieselotte Heller

Die Zwiespalte des Denkens

Fragmente einer Philosophie der Eigentönigkeit

Mit einem Vorwort von Klaus Giel

Vardan Verlag Hechingen 2013, 314 Seiten, Preis € 24,90
ISBN-13: 978-3-941060-09-8

In sechzehn Fragmenten entfaltet die Autorin die fundamentale Bedeutung der Eigenschwingung des Menschen für seine geistige (spirituelle), physische und emotionale Entwicklung, so wie für ein sinnlich erfülltes und sittlich beglückendes, Sinn stiftendes Miteinander und Füreinander.
Band I: Die Zwiespalte des Denkens, Fragmente I-XII
Band II: Güte, Fragmente XII-XVI
Wollen wir die Lebenskräfte unseres Eigentons in uns wecken und zu ihrer Entfaltung befreien, bedingt dies, dass wir uns einer strengen Praxis geistiger Übung befleißigen: des Horchens und Resonierens, des Gewahrens und Achtens und schließlich des schöpferischen Wollens, Sagens und Tuns. Es geht um eine Erneuerung der Zivilisation des Denkens und der Sinnlichkeit inmitten einer einzig von der Vernunft regierten Welt, deren geistige Substanz national wie global aus den Fugen zu geraten droht. Eine solche Erneuerung muss vom Menschen her erbracht werden, denn nur der Mensch ist dem Aus-den-Fugen-Geraten der Welt eine Antwort schuldig.
In irgendeiner Weise ist jeder Erdenbürger singulär wie auch plural in das dichtgeknüpfte Netz menschlicher Errungen- und auch Machenschaften verwoben. Und niemand kann sich heute von seiner Gefangenschaft im Netz der maßlos gewordenen Vernunft aus eigenen Kräften befreien, es sei denn durch die Wandlung seines eigenen Denkens, das ihn weg vom inzwischen arg verwüstet und öde gewordenen Strand des Machbaren hin zu dem Quell der Wirklichkeit zu führen vermag als dem resonierenden Sein aller Lebewesen, das heißt zu dem unerschöpflich sprudelnden Gedächtnis der Zeit im Hier und Jetzt. Im Gedächtnis der Zeit sind die gesetzgebenden Kräfte des Tons geborgen, welche von der wahrhaft stimmhaften und sprachhaltigen Natur menschlichen Denkens, Sagens und Tuns zeugen. Es gilt, das Maß der eigenen Tonkraft wiederzufinden, das uns kosmisch, und das heißt schöpferisch mit Allem und mit jedem Lebewesen auf wunderbar universale Weise verbindet und uns gänzlich in die geistige Welt sprachlich einbindet. Sprachlich bewohnbare Orte und narrativ begehbare Pfade erst generieren den wirklichen Lebensraum des Menschen. Und die Tonkraft bestimmt die Architektur solch poetisch angereicherter Orte; Gärten der Stille – des Seins.
Es gibt auf der Bewusstseinsebene der Eigentönigkeit weder gut noch böse, keine Trennung von Streu und Weizen. Das besagt jedoch keineswegs, dass das Gute wie auch das Böse auf Erden nicht existierte. Im existentiellen Sinn aber ist Beides, das ‚Gute‘ wie das ‚Böse‘, anders: die Güte wie die Verdammnis, das Wohl und das Wehe, als geistige Dimension in die Freiheit des Menschen und also auch in sein Vermögen gestellt; der Mensch zeitigt aus sich nur jene Lebensgeister, die im ausgesprochenen und also artikulierten Gedanken auch den Ton angeben.

Logik und Hermeneutik Friedrich Kümmel

Logik und Hermeneutik

Vardan Verlag Hechingen 2013, Format DIN A5, 356 Seiten, kart., € 19.90
ISBN-13: 978-3-941060-08-1

Logik und Hermeneutik haben sich noch nie bruchlos ineinander gefügt; zu verschieden sind die Grundlagen und die entsprechenden Verfahrensprinzipien. Klar definiert sind die Prinzipien der Aussagenlogik: Wahr bleibt Wahr; aus Wahrem kann nichts Falsches folgen. Aus Falschem folgt alles Mögliche, d. h., aus ihm kann nichts geschlossen werden. Schwieriger wird die Sache für die Prädikatenlogik, die umgangssprachliche Bedeutungen untersucht und nach logischen Kriterien aufeinander abzubilden unternimmt. Eindeutig definiert ist: Junggeselle = unverheirateter Mann. Sobald man aber die Art der Beziehungen zwischen Mann und Frau näher ins Auge faßt, findet man die unterschiedlichsten Spielarten. Und um noch ein anderes Beispiel anzuführen: Bei Synonymen oder im Verhältnis fremder Sprachen muß offen bleiben, ob eine identische Substitution der gleichen bzw. einander entsprechenden Wörter möglich ist. Kann man „mind“, „Verstand“, „spirit“, „Geist“ als gleichbedeutend setzen? Nur wenn das der Fall wäre, könnte man die Wörter in allen möglichen Kontexten füreinander einsetzen. Dies ist aber gar nicht möglich. Das bedeutet, daß die Suche nach einem analytischen Bedeutungskriterium gescheitert ist. Aber auch das Verständnis von Bedeutung als meaning (verständlicher sprachlicher Ausdruck) und als reference (Bezug auf einen objektiv vorgegebenen Sachverhalt) läßt sich nicht zur Deckung bringen. Bedeutungen sind etymologisch zu klären. Das ist aber ein ganz anderer Vorgang, als objektive Sachverhalte zu benennen. Hier muß die Frage, was wahr und was falsch bzw. vage, mißverständlich oder gar widersprüchlich ist, offen bleiben. Die Hermeneutik geht davon aus, daß sich die Sprache im miteinander Sprechen zweier Gesprächspartner erfüllt. Der Autor hat sich zur Aufgabe gemacht, Differenzen dieser Art herauszuarbeiten und zu zeigen, daß im Logischen ein Hermeneutisches und im Hermeneutischen ein Logisches unverzichtbar enthalten ist. Der reine Logiker würde dem nicht zustimmen. Das auf Verstehen angelegte Gespräch aber muß notwendig davon ausgehen. Daß die mit beiden Verfahrensweisen verbundenen Methodologien verschieden sind, sich jedoch ergänzen müssen, ist eine notwendige Konsequenz der Überlegung. Mit ihr kann dem Streit über die „richtige“ Methode die Schärfe genommen werden.

Der Streit um den Wissenschaftscharakter der Pädagogik und das Verhältnis von Theorie und Praxis Friedrich Kümmel

Der Streit um den Wissenschaftscharakter der Pädagogik und das Verhältnis von Theorie und Praxis

Vardan Verlag Hechingen 2011, 388 Seiten, Format DIN A5, kartoniert, € 19,80
ISBN-13: 978-3-941060-06-7

Das Buch wendet sich vor allem an Lehrer und Erzieher, die unmittelbar davon betroffen sind, was heute in Theorie und Praxis der Schulerziehung geschieht. Für die Reformen kann das nicht gleichgültig sein, die heute in rascher Folge das Schulleben mitbestimmen und oft genug Frustrationen auslösen, die den Reformeifer oft eher verschleißen und den längerfristigen Erfolg der getroffenen Maßnahmen wieder in Frage stellen. Reformen brauchen Zeit, und sie können sich nicht auswirken, wenn sie die erforderliche Zeit nicht bekommen. Auch kann es keine Reform von oben geben, wenn die Basis sie nicht innerlich akzeptiert und aktiv mitträgt. Es gilt hier das Paradox der Veränderung (siehe das Buch S. 323-328), das meines Erachtens zwei Varianten hat, eine positive und eine negative, aus deren Verhältnisbestimmung sich allererst eine hinreichende Einsicht in die Zusammenhänge ergibt. Die positive Variante ist noch kaum zum Bewußtsein gekommen und erscheint auf den ersten Blick widersinnig: daß wirkliche Veränderung nur durch einen Schritt zur Bejahung des zu Verändernden zustande kommen kann - und zwar auch und gerade in seinen negativen Aspekten. Das Bekämpfen allein tut’s nicht und erweist sich näher besehen als eine Falle. Ausgangspunkt jeder Veränderung und allen Wachstums muß die Realität sein, das heißt die Akzeptierung dessen, was wirklich vorhanden ist. Um dies einsehen zu können, muß aber auch die negative Version des Paradoxes der Veränderung ins Auge gefaßt werden. Leider ist noch nicht für jeden einsehbar, daß Reformen durch utopische Zielvorstellungen und/oder zu kurzfristig bemessene Zeitvorgaben unterlaufen, ja verhindert werden können. Die mit dem permanenten Verändernwollen einhergehende Blockierung wird durch ein französisches Sprichwort treffend ausgedrückt: „Plus ça change, plus c’est la même chose“: Je mehr Veränderung, umso mehr bleibt alles beim Alten. Ein taoistischer Weisheitsspruch drückt dieselbe Wahrheit aus: „Was jeden Tag anders ist – die ältesten Dinge!“ Permanentes Verändern führt entgegen der Absicht zur ewigen Wiederkehr des Gleichen. Man kann mit kurzfristigen Reformvorhaben die Wirksamkeit von Reformen also geradezu verhindern.
Was hier nicht bewältigt worden ist, ist das Theorie-Praxis-Verhältnis und der vielbeklagte Theorie-Praxis-Bruch. Die Praxis hat ihre eigene Dignität, und für die die Theorie gilt, daß das pädagogische Feld keine einseitigen Reduktionen zuläßt. Ohne eine Zusammenschau der verschiedenen Ebenen und Faktoren kommt man hier gar nicht aus. Kein methodologischer Standard und kein wissenschaftstheoretisches Paradigma läßt sich hier gegen das andere ausspielen. Damit lösen sich die Fachgrenzen nicht auf, aber die Forschungsfelder selbst werden zunehmend interdisziplinär. An die Stelle eines fruchtlosen Methodenstreits, wie er die bisherige Diskussion weithin bestimmt hat, muß die Zusammenarbeit von den unterschiedlichsten Ansätzen treten.
Obwohl die Pädagogik auch bisher schon als Integrationswissenschaft konzipiert war, hat sie es nicht vermocht, diesen Anspruch auch wirklich einzulösen. Die in diesem Band veröffentlichten Arbeiten zum Wissenschaftscharakter der Pädagogik und zum Verhältnis von Theorie und Praxis nehmen das Thema an dieser Stelle auf.

Otto Friedrich Bollnow. Rezeption und Forschungsperspektiven Herausgegeben von Friedrich Kümmel

Otto Friedrich Bollnow. Rezeption und Forschungsperspektiven
Forschungskolloquium zum 100. Geburtstag von Otto Friedrich Bollnow am 14. März 2003, Beiträge und Diskussionen

Vardan Verlag Hechingen 2010, Format A5, 347 Seiten, kart., € 19.90
ISBN-13: 978-3-941060-04-3

Aus Anlaß des 100. Geburtstages von Otto Friedrich Bollnow am 14. März 2003 fand am 25. und 26. September 2003 in Hechingen ein Forschungskolloquium statt. Autoren unterschiedlicher Fachbereiche stellten ihre Forschungsarbeiten zu verschiedenen Aspekten des Werkes von Otto Friedrich Bollnow vor. Der Band enthält die acht überarbeiteten, z. T. stark erweiterten Beiträge zum Kolloquium und eine vom Herausgeber vorgenommene Zusammenfassung der sich anschließenden Diskussionen. Die Publikation gibt einen Einblick in die vielfältigen Fragestellungen und Themenschwerpunkte, unter denen Bollnows Werk heute in verschiedenen Disziplinen rezipiert und von deren Fachvertretern produktiv weitergeführt wird. Otto Friedrich Bollnow hat zu seiner Zeit Schule gemacht und ein umfangreiches, viel gelesenes und gewürdigtes Werk hinterlassen. Sein Denken ist nach wie vor aktuell und hat von seiner Relevanz für die derzeitige Diskussion nichts eingebüßt. Die Beiträge dieses Bandes geben einen Eindruck davon, wie sein Werk in den verschiedensten Disziplinen aufgenommen und unter methodologischen und sachlichen Aspekten produktiv weitergeführt wird.
Bollnows zahlreiche Bücher, Aufsätze und Besprechungen sowie die erreichbaren Übersetzungen sind in der von Friedrich Kümmel erstellten Homepage www.otto-friedrich-bollnow.de nahezu vollständig zugänglich gemacht. Sie enthält auch bisher unbekannte Textentwürfe und -varianten, die für das Verständnis der Genese von Bollnows Denken unverzichtbar sind.

Zeit und Freiheit. Über den Begriff der Zeit Friedrich Kümmel

Zeit und Freiheit. Über den Begriff der Zeit
Zweite, neubearbeitete und erweiterte Auflage

Vardan Verlag Hechingen 2010. Format B5, 370 Seiten, kart., € 29.80

ISBN-13: 978-3-941060-04-3

Es scheint, daß die Pathologien des Umgangs mit der Zeit durch deren Terminierung, Verknappung und Beschleunigung noch zugenommen haben. Das sich theoretisch und praktisch stellende Zeitproblem hat von seiner Aktualität nichts eingebüßt: Freiheit oder Unfreiheit entscheidet sich an der Art und Weise des Umgangs mit der Zeit. Umso wichtiger ist es, sich über die Zeit Gedanken zu machen und zu fragen, was sie für den Menschen tatsächlich bedeutet. Dabei kann eine gravierende Diskrepanz nicht übersehen werden: Kosmisch rechnen wir mit unvorstellbar großen Zeiträumen, und im Alltag wird die Verwendung jeder einzelnen Minute zu einem Problem. Je mehr wir die Zeit wie einen Meßbecher von außen her füllen, umso mehr verliert sie an wirklichem Inhalt und lebenswerter Qualität. Wer mit der Uhr am Arm nur noch die Minuten zählt, setzt sich aus allem heraus, was vor sich geht und kann es nur noch ‘abhaken’. Ist das Ziel erreicht, so ist die Sache auch schon ‘erledigt’ und ‘hinter sich gebracht’. Man beraubt sich so der Früchte der Zeit, die – wie alles Lebendige – nur langsam und von innen her wachsen. Wenn das in der Tat so ist, beweist das Diktat der Uhrenzeit einen Zustand extremer Unfreiheit im Umgang mit der Zeit. Wie aber kommt man aus den im Umgang mit der Zeit selbst erzeugten Fesselungen und Beraubungen wieder heraus? Und was kann es heißen, das Verhältnis von Zeit und Freiheit positiv zu realisieren? Die zentrale These dieser Arbeit versucht darauf eine Antwort zu geben: Zeit ist Freiheit, und Freiheit gibt es nur als Freiheit in und vermöge der Zeit. Man kann den Zusammenhang von Zeit und Freiheit nicht eng genug sehen. Die Zeit beinhaltet für das freie Wesen das Realitätsprinzip und verkörpert es, indem sie dessen ungebundene und gebundene, gehandelte und erworbene Zustände manifestiert und zurückspiegelt. In diesem Sinne hat der Mensch zur Zeit keine Alternative, sowenig er zur eigenen Freiheit eine solche hat. Er ist durch und durch ein „Zeitwesen“ und nicht, wie das Tier, ein „Raumwesen“. Dies verlangt tiefgreifende Veränderungen in der Bewußtseinsform und eine Wende von „Außen“ nach „Innen“.

Schleiermachers Hermeneutik Ton-Ku Kang

Schleiermachers Hermeneutik
Zum Verhältnis von grammatischer und psychologischer Interpretation

Vardan Verlag Hechingen 2009, Format A5, 198 Seiten, kart., € 19.90

ISBN-13: 978-3-941060-03-6

Eine weitere, im Vardan Verlag erschienene Arbeit über Schleiermacher nimmt die von Heinz Kimmerle nach den Handschriften neu herausgegebene Hermeneutik Schleiermachers zum Anlaß einer Auseinandersetzung mit der durch die beiden Bezugspole ‘Dilthey’ und ‘Gadamer’ umschriebenen Kontroverse über die Grundlagen des Verstehens und die Reichweite der Hermeneutik als Methode. Unbestritten ist hierbei der Bezug auf die Sprache, strittig jedoch der Stellenwert des Faktors „Individualität“, der bei Schleiermacher und Dilthey für die Produktion und Rezeption von Sprachwerken eine zentrale Rolle spielt, von Gadamer und seiner Schule jedoch an die zweite Stelle gerückt worden ist. Schleiermacher verteidigt das subjektive Moment im sprachlich verfaßten Sinngebilde gegenüber dem Geltendmachen einer übergreifenden Ordnung des sprachlichen Universums und seiner Tradition. Demgemäß kommt es zunächst einmal darauf an, die Rede eines Anderen im Gespräch zu verstehen, bevor man daran gehen kann, ein intersubjektiv gültiges Allgemeines ins Auge zu fassen. Wenn die Sprache weder in einer Geistmetaphysik hinterlegt ist noch einem Rationalitätsanspruch unterworfen werden kann, muß nach den tiefer liegenden Grundlagen des Verhältnisses zwischen Redendem, Vernehmendem und Verstehendem gefragt werden. Auf diesem nicht objektivierbaren Grund hat die Hermeneutik als „Kunstlehre des Verstehens“ ihre Regeln zu entwickeln und muß dabei auch den Grenzen des Verstehens Rechnung tragen. Was an Sinn geschöpft und ausgedrückt werden kann, reicht in der Sprache wie im einzelnen Menschen in eine unergründlich bleibende Tiefe. Menschliches und Zwischenmenschliches gelangt nie zu der Selbstverständlichkeit, die Tradition und Rationalitätsanspruch bzw. Klassik und moderne Kommunikations- und Zeichentheorien in Anspruch nehmen möchten. Fremdheit ist nie ganz in Verstehen auflösbar und weist auf noch andere Grundlagen des zwischenmenschlichen Verkehrs und der Verständigung hin. Da erst wird die Sache des Verstehens spannend und eine hermeneutische Reflexion unverzichtbar!

Der Begriff der Individualität beim frühen Schleiermacher Byung-ok Lee

Der Begriff der Individualität beim frühen Schleiermacher

Vardan Verlag Hechingen 2009, Format A5, 324 Seiten, kart., € 19.90

ISBN-13: 978-3-941060-02-9

Schleiermachers philosophisches Werk stand lange Zeit im Schatten Hegels und ist erst im Zeichen der „hermeneutischen Wende“ wieder zur Geltung gebracht worden. Wie bei den Frühromantikern, wurde für den jungen Schleiermacher der Begriff der Individualität zum Ausgangpunkt eines weiterführenden Denkens und hat insbesondere die Konzeption seiner Hermeneutik nachhaltig bestimmt. Mit dem Faktor „Individualität“ bzw. „Person“ verbindet sich ein tiefgreifender Umbruch im philosophischen Denken, der die Moderne heraufgeführt hat und bezüglich seiner Implikationen noch gar nicht hinreichend ausgelotet worden ist. Immer noch hängt man dem Traum eines egalisierenden, individuelle Differenzen leugnenden Denkens nach.
Die Kategorie der „Individualität“ wird von Schleiermacher in der Spur von Leibniz und Spinoza aufgenommen und mit Bezug auf Herder und Schlegel weitergeführt. Für die Ethik, die am Begriff intersubjektiver Gültigkeit bzw. Normativität interessiert ist, und für die Dialektik, die in der Suche nach der Wahrheit am Begriff allgemeingültigen Wissens festhält, ergibt sich daraus ein schwierig zu lösendes Problem. Wenn nämlich auch in allen diesen weiterreichenden Kontexten des Denken und Handelns der Faktor „Individualität“ nicht mehr ausgeklammert werden kann, verändert dies den Begriff des Allgemeinen bzw. allgemeiner Geltung, bis hin zu Georg Simmels paradoxer Rede von einem „individuellen Allgemeinen“, das auch für das gesellschaftlich geltende Allgemeine allererst begründend sein kann. So im „Zwischen“ verortet, vereinigt das Thema „Individualität“ Tradition und Moderne und verlangt, beides in ein produktives Verhältnis zueinander zu setzen. Die Geschichte ist der Ort des Austrags dieses spannungsreichen Gefüges, in dem es weder ganz und gar stimmige noch ganz und gar aporetische Lösungen gibt.

Moralerziehung zwischen Wertorientierung und Wirklichkeitsbezug Friedrich Kümmel

Moralerziehung zwischen Wertorientierung und Wirklichkeitsbezug

Vardan Verlag Hechingen 2009, Format A5, 272 Seiten, kart., € 19.90

ISBN-13: 978-3-941060-01-2

Auch wenn die Wertediskussion im Bereich politischer Entscheidungsfindung heute unverzichtbar ist, weil eine reine Machtpolitik an ihr Ende kommt, kann man nicht davon ausgehen, daß die Werte im zwischenmenschlichen Zusammenleben und im Bewußtsein des Einzelnen eine ebenso wichtige Rolle spielen wie im Diskurs der Öffentlichkeit. Hier werden immer auch andere Orientierungen maßgeblich. Moralerziehung kann folglich auch nicht einfach mit Werterziehung gleichgesetzt werden. Der gewählte Titel: „Moralerziehung zwischen Wertorientierung und Wirklichkeitsbezug“ gibt zwei Bezugspole moralischen Denkens und Handelns an, die durchaus konträr zueinander stehen und sich, prinzipiell gefaßt, geradezu ausschließen. Es sind verschiedene Bezugsrahmen, Einstellungen und Denkweisen, mit denen man im einen oder anderen Fall an die Dinge herangeht und Lösungen für die Probleme sucht. Kurz gesagt: Die Logik der Wertorientierung ist eine andere als die Logik des Wirklichkeitsbezugs.
Um nur den wesentlichen Punkt hervorzuheben: Wertekataloge sind zweiwertig und bringen alles in die Form von Alternativen, die es so im Leben gar nicht gibt. Unreflektiert angewendet, verfehlen zweiwertige Schematisierungen oft genug den wesentlichen Punkt und verletzen das Gebot humanen Verhaltens. Die daraus zu ziehende Konsequenz ist: Man kann und darf, was der Fall ist, nicht an Werten messen. Um dem, was ist, gerecht zu werden, ist es vielmehr geboten, vom ‘Urteilen’, ‘Werten’ und (wie Jesus sagt) vom ‘Richten’ zu lassen.

Schleiermachers Dialektik Friedrich Kümmel

Schleiermachers Dialektik

Die Frage nach dem Verhältnis von Erkenntnisgründen und Wissensgrund

Vardan Verlag Hechingen 2008, Format B5, 452 Seiten, kart., € 29.80

ISBN-13: 978-3-941060-00-5

Schleiermachers „Dialektik“ besteht aus Entwürfen und Nachschriften der inzwischen vollständig edierten, nach wie vor aber schwer zu erschließenden Vorlesungen aus den Jahren 1811, 1814/15, 1818/19 und 1822, sowie einer Einleitung zur geplanten Drucklegung aus dem Jahre 1833. Schleiermacher verknüpft hier die Frage nach den logischen und anthropologischen Grundlagen der Erkenntnis mit der Frage nach dem absoluten Grund des Wissens, mit Bezug auf den allein der Anspruch auf Wahrheit so gestellt werden kann, daß er einer skeptischen Destruktion standhält, und ohne daß man genötigt wäre, „Welt“ als Bezugsrahmen menschlicher Erkenntnis zu verlassen. Der absolute Grund des Wissens fällt nicht selber ins Wissen, und doch läßt sich ohne den Rückbezug auf ihn das Wissen nicht unterscheiden von den Meinungen, die der Mensch sich über die Dinge und über sich selbst bildet. Ein vorangestellter Prolog skizziert die damit umrissene erkenntnistheoretische Problematik, die angesichts der modernen Skeptizismen noch keineswegs eine befriedigende Lösung gefunden hat. Deutlich ist jedoch, daß es einer komplexeren Logik bedarf, die nicht mehr in den Alternativen von Rationalismus versus Empirismus bzw. Idealismus versus Positivismus hängen bleibt. Absolute und relative Gesichtspunkte der Erkenntnis sind vielmehr so in ein Verhältnis zu setzen, daß das eine das andere nicht negiert. Wenn nun aber auch ein Vermittlungsdenken hier nicht weiterführt, dringt Schleiermacher mit seiner „Dialektik“ in logisch-erkenntnistheoretisches Neuland vor, das zu betreten im Zeichen der fortgeschrittenen Moderne an der Zeit ist.

Die romanische Weiler Kirche Annalies Keller, Paul Bossenmaier

Die romanische Weiler Kirche von Owingen/Hohenzollern

Vardan Verlag Hechingen 2017


Das Vaterunser-Symbol Annalies Keller

Das Vaterunser-Symbol

Vardan Verlag Hechingen 2012


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